Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Ein altes Sprichwort, das sich auf viele Lebensbereiche anwenden lässt und verdeutlicht, wie wichtig Lernen und Erziehung für unsere Entwicklung sind. Gleichzeitig macht es aber auch klar, welche Folgen falsche Einschätzungen der Eltern haben können. Während sich in einigen Bereichen der eine oder andere Fehltritt vielleicht verzeihen lässt, reichen die Konsequenzen mitunter bis ins Erwachsenenalter – wenn es etwa um das Thema Geld geht.

 

Finanzerziehung und Taschengeld

Warum sind Finanzerziehung und Taschengeld im Rahmen der kindlichen Entwicklung aber so wichtig? Betrachtet man aktuelle Statistiken, wie den Schuldneratlas Deutschland 2012 der Creditreform Boniversum GmbH, wird eine ernüchternde Entwicklung offensichtlich. Während in den Altersgruppen ab 30 Jahre die Schuldnerquote seit 2004 sinkt, steigt sie in der jungen Generation. Lag sie bei den unter 20-Jährigen im Jahr 2004 bei 0,41 Prozent, hat die Schuldnerquote 2012 bereits 1,65 Prozent erreicht. Eine absolute Steigerung um mehr als 160.000 Betroffene.

 

Noch dramatischer fällt die Entwicklung in der Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren aus. Im Schuldneratlas verzeichnet sie mit 4,38 Prozent oder 572.000 Schuldnern den größten Zuwachs. Auch wenn die Ursachen dieser Entwicklung vielschichtig sind - Defizite in der Finanzerziehung und eine Flut an Konsumreizen sind eine Ursache dafür, dass junge Erwachsene auf die Überschuldung zusteuern.

 

Aufgrund dieser Tatsache sollte eine Erkenntnis bei vielen Eltern heranreifen: Die Finanzkompetenz der Kinder ist kein angeborenes Verhalten, sie beruht auf Erlerntem und Erfahrungen. Darüber hinaus wird der Grundstein für die spätere Entwicklung für den weiteren Lebensweg auf unterschiedliche Art und Weise gelegt - nicht nur mit dem Taschengeld.

 

Finanzkompetenz: Was ist Geld

Vielen Eltern fällt die aktive Finanzerziehung im ersten Moment alles andere als leicht. Dabei sollte man sich bewusst werden, dass in diesem Zusammenhang zwei Komponenten eine Rolle spielen. Einerseits lernen Kinder den Umgang mit und die Bedeutung von Geld durch das bewusste Einwirken ihrer Eltern. Auf der anderen Seite entsteht ein gewisser Erfahrungsschatz aber auch durch das Zuschauen.

 

Der elterliche Umgang mit finanziellen Mitteln kann sich auf diese Weise auf den Nachwuchs übertragen - mit allen Vor- und Nachteilen. Leben Eltern ihren Kindern beispielsweise einen gedankenlosen Umgang mit Geld vor, kann dies entsprechende Folgen haben.

 

Kindern sollte in jedem Fall die Tatsache vermittelt werden, dass Geld nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Es hat einen Gegenwert - die eigene Arbeitskraft, dient der Werterhaltung, dem Alltag - aber auch langfristigen Zielen. Entsprechend genießen die großen und kleinen Konsumwünsche der Kinder eine unterschiedliche Wertschätzung. Die konsequente Finanzerziehung hin zu diesem Ziel ist mitunter aber alles andere als leicht. Besonders die Medien und das geschickte Marketing im Einzelhandel stellen die Nerven vieler Eltern auf die Probe. Der Nachwuchs will nicht selten alles - und am besten gleich. Besonders mit den ersten Schritten hin zu mehr Selbständigkeit, etwa durch den Besuch einer Kita oder der Schule, verändert sich das „Konsumverhalten“ vieler Kinder.

 

Eltern sollten dennoch die Zügel nicht zu locker lassen, sondern den Wünschen ihrer Kinder konkrete Grenzen setzen. Nur so entsteht eine Verbindung zwischen dem Konsumwunsch (z. B. Spielzeug, ein neues Fahrrad usw.) als Ziel und dem Weg dahin - der erste Grundstein fürs aktive Sparen ist gelegt.

 

Tipp: Eltern und Kinder können gemeinsam sparen. Speziell für größere Wünsche ist es durchaus angemessen, mit dem Nachwuchs ein festes Sparziel zu vereinbaren, mit dessen Erreichen die Eltern das fehlende Kleingeld beisteuern.

 

Taschengeld - wie Kinder den Umgang mit Geld lernen

Eigene Beobachtungen und die Erklärungen der Eltern sind aber nur eine Art, wie Kinder ihr Verständnis bezüglich des Umgangs mit Geld entwickeln. Experten raten dazu, auch praktische Aspekte in die Finanzerziehung einzubinden. Dazu gehört beispielsweise das gemeinsame Einkaufen. So lassen sich dem Nachwuchs Schritt für Schritt die Kosten für den Alltag näherbringen.

 

Ebenfalls empfohlen wird das spielerische Lernen. Geeignet sind hierfür unter anderem Münzerkennungsspiele, der Klassiker des Kaufladens, Monopoly oder andere Lernspiele, in denen sich alles um das Geld und dessen Funktionen dreht. Dabei sollte allerdings eine altersgerechte Pädagogik im Mittelpunkt stehen. Schließlich ist der Umgang mit Geld relativ abstrakt und muss in kleinen Schritten erlernt werden.

 

Ab einem gewissen Alter sollten Eltern dazu übergehen, ihren Kindern eine gewisse Verantwortung zu übertragen - durch das Taschengeld. Letzteres erfüllt mehrere Funktionen. Einerseits bietet das Taschengeld dem Nachwuchs die Möglichkeit, in der Praxis auszuprobieren, was bisher eher theoretischer Natur war, auf der anderen Seite sind eigene finanzielle Mittel ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Selbständigkeit. Kinder können sich mit dessen Hilfe Wünsche unabhängig von den Eltern erfüllen. Allerdings ist das Taschengeld kein spannungsfreies Thema. Gerade dessen Höhe sorgt in Familien regelmäßig für Diskussionen - zwischen den Eltern und mit dem Nachwuchs.

 

Taschengeldhöhe - zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Grundsätzlich wird die Auszahlung des Taschengelds seitens vieler Experten empfohlen - allein schon vor dem Hintergrund, dass sich Kinder so nicht ständig in der Rolle des Bittstellers gegenüber den Eltern wiederfinden. Folgt man allgemeinen Empfehlungen, ist das Erreichen des schulpflichtigen Alters ein guter Zeitpunkt für dessen erstmaliges Auszahlen. Bezüglich der Höhe werden allerdings unterschiedliche Meinungen vertreten, es sollten anfangs aber nicht mehr als 2 Euro pro Woche sein. In Abhängigkeit vom Alter der Kinder könnte sich das Taschengeld folgendermaßen staffeln:

 

6 - 7 Jahre   1,50 - 2 Euro (wöchentlich)
8 - 9 Jahre   2 - 2,50 Euro (wöchentlich)
10 - 11 Jahre   12 - 16 Euro (ab hier monatlich)
12 - 13 Jahre   15 - 21 Euro
14 - 15 Jahre   20 - 29 Euro
16 Jahre   28 - 34 Euro
17 Jahre   33 - 44 Euro
18 Jahre   55 - 70 Euro

 

Wichtig: Es ist für Eltern durchaus sinnvoll, Kinder darüber aufzuklären, dass zwischen verschiedenen Haushalten Unterschiede im Hinblick auf die finanziellen Möglichkeiten bestehen. Ein wichtiger Schritt, um eigene Wertmaßstäbe entwickeln zu können.

 

Dass Kinder mit zunehmendem Alter höhere Taschengeldsummen erhalten, ist vor allem den wachsenden Ansprüchen geschuldet. Ab einem Alter von 16 Jahren können Eltern übrigens noch einen Schritt weiter gehen, um die Selbständigkeit ihrer Kinder zu fördern. Im Gegenzug für ein höheres Taschengeld verpflichten sich die Jugendlichen dazu, einen Teil der finanziellen Verantwortung selbst zu tragen - indem sie ihre Handyrechnung oder das Benzin für den Motorroller selbst zahlen.

 

Tipp: Ein zu hohes oder zu niedriges Taschengeld ist kontraproduktiv. In letztgenanntem Fall werden dem Nachwuchs Sparmöglichkeiten genommen, die Motivation sinkt. Und bei zu hohen Beträgen entsteht ein falscher Wertmaßstab.

 

Tipps zum Umgang mit dem Taschengeld

Ist die Taschengeldhöhe ein leidiges Thema, kann der Umgang damit Streit zwischen Kindern und Eltern provozieren, wenn diese Ausgaben kritisch betrachten oder die Auszahlung an Bedingungen knüpfen. Leider ist immer noch die Ansicht anzutreffen, dass das Taschengeld als erzieherische Maßnahme genutzt werden kann - etwa wenn die Leistungen in der Schule zu wünschen übrig lassen.

 

Eine Haltung, die Kritik hervorruft. Haben sich Eltern und Kinder einmal auf das Taschengeld geeinigt, sollte es ohne Rücksicht auf Verhalten und Leistungen ausgezahlt werden. Darüber hinaus erachten es Experten als wenig sinnvoll, konkrete Sparziele an die Auszahlung zu koppeln oder den Verwendungszweck für das Taschengeld vorzugeben. Schließlich wird es ausgezahlt, damit der Nachwuchs eigene Erfahrungen sammeln kann - und dazu gehören auch Fehler.

 

Grundsätzlich sollte beim Taschengeld vermieden werden, dass

es als Belohnung oder Strafe dient,

dessen Verwendung negativ bewertet wird,

es zu einer Zweckentfremdung kommt (z. B. Alltägliches beschafft werden muss),

die Auszahlung unregelmäßig und auf Bitten erfolgt,

das Sparen gefordert wird,

oder es den einen oder anderen Euro extra gibt.

 

Taschengeld und Girokonto

Der Umgang mit Bargeld ist eine Sache. In den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat die Bedeutung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und Girokontos. Zwei Punkte, die sich auch in der Finanzerziehung niederschlagen. Eltern stoßen hier auf zwei grundlegende Herausforderungen. Einerseits die Frage nach dem richtigen Alter und auf der anderen Seite die Frage nach den nötigen Leistungen des Girokontos.

 

Generell ist ein Girokonto für Jugendliche empfehlenswert, um den alltäglichen Umgang mit Geld in allen Facetten kennenzulernen. Allerdings sind Kinder nach § 104 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) nicht voll geschäftsfähig. Für die Kontoeröffnung sind deshalb die Unterschriften beider Elternteile und die Anwesenheit eines Elternteils erforderlich. Allgemein als sinnvolles Alter für das erste Girokonto gilt der Zeitraum zwischen dem 12. - 14. Lebensjahr.

 

Tipp: Viele Banken haben mittlerweile Jugendliche als Zielgruppe entdeckt und offerieren entsprechende Kontomodelle - etwa unter der Bezeichnung Schülerkonto. In der Regel ist die Kontoführung kostenlos, was dem knappen Budget natürlich entgegenkommt.

 

Bezüglich der Konditionen für das Girokonto sollten Eltern einige Punkte beachten. Eine kostenlose Kontoführung ist nicht alles. Der Blick in die Preisliste rechnet sich unter anderem vor dem Hintergrund, dass beispielsweise beleghafte Buchungen, Abhebungen in fremden Geldautomatennetzen oder die Zusendung von Kontoauszügen teuer werden können. Darüber hinaus muss klar sein, wie weit der Nachwuchs im elektronischen Zahlungsverkehr gehen kann, um eine Verschuldung zu vermeiden. Im Regelfall reichen die Banken Kundenkarten mit einem eingeschränkten Funktionsumfang aus und räumen für Schülerkonten weder eine Kreditkarte noch einen Dispokredit ein. Beide sind für Kinder nicht nur unnötig - sie stellen auch eine Kostenfalle dar. Tipp: Die immer wieder propagierte Verwendung einer Prepaid-Kreditkarte für den Nachwuchs ist nur in wenigen Situationen - aufgrund der Jahresgebühr und der Kosten für Verfügungen - sinnvoll, es kann darauf weitgehend verzichtet werden.

 

Taschengeld und Co - der lange Weg zum Ziel

Wie viel Taschengeld soll es geben und wie bringe ich meinem Kind den Umgang mit Geld bei? Viele Familien tun sich mit diesen Fragen schwer. Dabei kann es mitunter schon hilfreich sein, einen offenen Umgang mit dem Thema Geld zu pflegen. Denn das Motto: „Über Geld spricht man nicht“, ist in diesem Zusammenhang unangebracht. Ohne dass Eltern ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und den eigenen Umgang mit Geld erklären, kann der Nachwuchs kaum die richtigen Schlüsse ziehen.

 

Dazu gehört auch die Klarstellung, warum es nur einen bestimmten Betrag als Taschengeld gibt - der letztlich die finanziellen Möglichkeiten der Familie abbilden muss. Langfristig rechnet sich die Mühe und Energie der Eltern aber - wenn das Taschengeld zumindest teilweise zum Grundstein für den Start ins eigene Leben der Kinder wird.

 

 

 

Redaktioneller Hinweis

Diese Informationen wurden Ihnen von der Redaktion des Portals www.girokontovergleich.org zur Verfügung gestellt. Bei Fragen können Sie sich gerne direkt per Live Chat oder über die Telefon Hotline an das Team der Vergleichswebseite wenden.