Ein wichtiger Aspekt dieses neuen Selbsterlebens ist das Bedürfnis, Gegenstände als die eigenen besitzen zu dürfen. Sicher entsteht gerade jetzt, wenn ihr Kind anfängt, mit anderen, vor allem gleichaltrigen Kindern zu spielen, zunehmend die Notwendigkeit, auch teilen und austauschen zu können. Viele gemeinsame Aktivitäten enden – vor allem auch zu ihrem Ärger – gerade deshalb mit großem Geschrei, weil eines der beiden Kinder nicht in der Lage war, sich von seinem Spielzeug zu trennen. Wie viel einfacher wäre es doch, wenn das Wörtchen „meins“ nicht diese zentrale Rolle im Wortschatz Ihres Kindes spielte! 
 
Doch verlangen sie nicht zuviel von ihrem Kind. Man hat zwar erkannt, dass Kinder auch in diesem Alter manchmal sogar spontan einem anderen zuliebe eigene Interessen zurückstellen können, dennoch darf man diese Eigenschaft – gerade jetzt, wo die Entwicklung des „Ich“ und „Mein“ auf de Tagesordnung steht – nicht stillschweigend und immer voraussetzen. Und vor allem: Ihr Kind ist nicht „böse“, wenn es nicht teilen will. Teilen und abgeben wollen gelernt sein – ebenso wie der berechtigte Wunsch, auch manche Dinge für sich ganz alleine zu haben und laut und deutlich „meins“ sagen zu dürfen.

Quelle: "Handbuch Kinder", Stiftung Warentest, Rose Riecke-Niklewski und Günter Niklewski