Quelle: www.pixelquelle.deSobald ein Kind ein Geschwisterchen bekommt, verändert sich das Familiengleichgewicht. Es gibt nun neben dem Elternpaar auch ein Kinderpaar. In Konfliktsituationen bilden sich zumeist zwei Parteien. Die Kinder zeigen sich solidarisch miteinander, auch wenn sie sonst öfter miteinander streiten. Damit bildet sich ein Gemeinschaftsgefühl, das unter den Geschwistern oft ein Leben lang anhält.

Wenn das Einzelkind ein Geschwisterchen bekommt, bezeichnen Psychologen diese Situation als „Entthronungs-Schock“. Jedes Kind reagiert in dieser Phase unterschiedlich, die einen ziehen sich zurück, andere zeigen aggressives Verhalten und wieder andere Kinder fallen in das Babyverhalten zurück. So oder so, stellt die erste Zeit mit dem Baby für das ältere Kind eine große Belastung dar.
 
 
Deshalb ist es sehr ratsam, das Kind frühzeitig (während der Schwangerschaft) auf die bald veränderte Familiensituation vorzubereiten:

  • Kindgerechte Annäherung an das Thema Schwangerschaft (durch Kinderbücher)

  • Ultraschalluntersuchungen und CTG mit den älteren Kindern wahrnehmen

  • Streicheln des Bauches, Erzählen oder Singen mit dem großen Kind

  • Fotos bzw. Videos von der Babyzeit des Erstgeborenen ansehen

  • Miteinbeziehen in die Vorbereitungen für das Baby wie z.B. Zimmergestaltung, Einkauf von Kleidung, Spielsachen etc.

  • Es ist nicht „Mamis Baby“ sondern „Unser Baby“ – das stärkt das Familiengefühl


Wenn das Baby das Licht der Welt erblickt hat:

  • Das große Kind kann mit dem Papa ein Geschenk für das Baby aussuchen z.B. Kuscheltier

  • Das Erstgeborene bekommt (evtl. beim Erstbesuch im Krankenhaus) ebenfalls ein Geschenk (evtl. eine Puppe mit der es alles nachspielen kann, was Mama mit dem Baby machen)

  • Freunde und Verwandte beim Erstbesuch bitten, zuerst das ältere Kind zu begrüßen

  • Das Kind möglichst viel miteinbeziehen: Beim Wickeln, Flasche geben, Anziehen etc.

  • Das Baby dem Geschwisterchen auch anvertrauen (gut gestützt kann ein Kind das Baby unter Aufsicht ruhig selber halten), damit sich eine intensive Geschwisterbeziehung entwickeln kann


     

Die sozialen Fertigkeiten unter Geschwistern werden durch lebenslange Praxis fein geschliffen. Sie können gegenseitig sehr voneinander profitieren:

  • Die Kinder lernen das Streiten und sich Vertragen

  • Sie haben ein soziales Probefeld in sicherer Umgebung, indem sie für Freundschaften Ihr Verhalten testen können

  • Geschwister lernen mit Kompromissen umzugehen

  • Sie lernen sich durchzusetzen


Geschwister lieben und unterstützen sich, sie teilen, konkurrieren jedoch auch um die Aufmerksamkeit ihrer Bezugspersonen. Dies ist ganz natürlich unter Geschwistern. Jedoch sollte diese Rivalität und die damit verbundene Eifersucht, Aggression etc. nicht auch noch durch Vergleichen der Kinder untereinander verschärft werden:

  • Behandelt die Kinder eher einzigartig als gleich: „Du bist meine einzige Sophia“, „Du bist der beste Florian auf der Welt“

  • Jedes Kind muss für seine individuelle Stärken gelobt werden 

  • Jedes Kind hat unterschiedliche Stärken und Schwächen, die auch von den Eltern benannt werden dürfen

  • Geht auf die Bedürfnisse ein: Kauft Eurer Tochter ein neues Kleid, wenn sie eines braucht, und dem Sohn neue Filzstifte, wenn seine ausgetrocknet sind

  • Akzeptiert ihre Gefühle und Frustrationen

  • Wenn Ihr einem Kind eine Rolle zuordnet, wird es sie erfüllen: "Thomas, warum bist du ein Tyrann?" Bedeutet, dass Thomas Aufmerksamkeit erfährt, wenn er diese Rolle spielt, und seinem Geschwisterchen die Opferrolle zukommt, aus der es Vorteile ziehen kann

  • Bei Streitigkeiten ist es für Eltern nicht ratsam, sich einzumischen – besser fragt man nach dem Grund des Streits (beide Parteien dürfen Ihre Version schildern) und welche Lösung möglich wäre – zumeist haben Kinder gute Ideen und sind kompromissbereit