Eltern haben häufig ein schlechtes Gewissen, wenn ihr Kind einfach auf dem Boden sitzt und nichts mit sich anzufangen weiß. Sie meinen, sie müssten ihr Kind fortwährend animieren und beschäftigen. Doch vielleicht sitzt das Kind gar nicht einfach gelangweilt auf dem Boden, sondern beobachtet seine Umgebung. Für kleine Kinder ist es bereits wichtig, Erlebnisse unabhängig von der Zuwendung ihrer Eltern zu machen. Sie lernen so, ein Gefühl für sich selbst zu entwickeln und sich auf etwas zu konzentrieren. Pädagogen empfehlen inzwischen, ab einem Alter von 3-4 Monaten das selbstständige Spielen zu fördern.

 

Kinder in jedem Alter mögen es, wenn man mit ihnen spielt. Doch schon kleine Kinder haben das Bedürfnis, gewisse Zeitspannen ganz mit sich allein zu verbringen. In einem Alter von etwa 6-12 Monaten beginnen die meisten Kinder, sich für gleichaltrige Kinder zu interessieren. In diesem Alter beginnt aber auch die Phase, in der sie häufiger alleine spielen. Das gemeinsame Spielen und das Spielen alleine sind wichtig für die geistige Entwicklung. Kinder machen mit anderen Kindern ihre ersten sozialen Erfahrungen und lernen beim Spielen alleine, sich abzugrenzen und entwickeln ein Selbstbewusstsein.

 

Mit diesen ersten Erfahrungen werden häufig die Grundlagen für das soziale Verhalten im späteren Leben gesetzt. Kinder sollten früh lernen, sich alleine zu beschäftigen. So fällt es ihnen auch im späteren Leben leichter, Zeit alleine zu verbringen. Achten Sie aber gleichzeitig auch darauf, dass das Kind Spielkameraden in seinem eigenen Alter hat. Auch ältere und jüngere Kinder sind für die soziale Entwicklung wichtig. Von älteren Kindern können kleinere Kinder etwas lernen. Andersherum lernen Kinder beim Spielen mit jüngeren Spielkameraden Verantwortung zu übernehmen.

 

Im Kleinkindalter lernen Kinder auch Toleranz. Sie gehen noch völlig ungezwungen und unverstellt auf andere Kinder zu. Kinder können in diesem Alter auch mit Kindern spielen, die ihre Sprache gar nicht sprechen.

 

 

Wie lange sollten Kinder alleine spielen?

Das Spielen mit anderen Kindern ist also für die kindliche Entwicklung wichtig. Genauso wichtig ist aber, dass sie sich alleine beschäftigen können. Kinder lernen, sich zu konzentrieren und selbstständig zu agieren. Einige Kinder spielen gerne alleine und können sich stundenlang selber beschäftigen. Andere hingegen haben damit Schwierigkeiten und beginnen sich nach kurzer Zeit zu langweilen. Im ersten Lebensjahr sind die Zeitspannen des alleine Spielens in der Regel kurz. Die meisten Kinder können sich etwa 10 Minuten lang mit einem Spielzeug intensiv beschäftigen. Die Zeitspannen werden aber zunehmend länger. Zwischen eins und drei spielen die meisten Kinder schon 30-60 Minuten lang alleine. Im Kindergartenalter beschäftigen sich viele Kinder sogar stundenlang indem sie zum Beispiel in ein Rollenspiel vertieft sind, malen oder basteln. Jetzt benötigen sie etwas mehr Ruhe und Zeit für sich. Es ist gut, wenn das Kind in diesem Alter ein Kinderzimmer für sich alleine hat, in das es sich zurückziehen kann.

 

Ist das Kinderzimmer nicht vorhanden oder muss das Kind das Zimmer mit anderen Geschwistern teilen, sollten dennoch Rückzugsorte geschaffen werden. Sehr beliebt bei Kindern sind Spielhäuser die es zum Beispiel aus Kunststoff oder Holz gibt. Preiswerter aber ebenso wirkungsvoll ist ein kleines Spielzelt, in das sich das Kind zurückziehen kann und ungestört ist. Anbieter wie JAGO weisen mit ihren Produkten sogar darauf hin, dass ein solches Kinderzelt eine Art Ruhezone für ein Kind darstellen kann.

 

 

Alleine spielen - so können Sie Ihr Kind dabei unterstützen

  • Bieten Sie dem Kind Rückzugsorte zum alleine Spielen an. Wenn es kein eigenes Kinderzimmer hat, kann dies auch ein Spielhaus oder Spielzelt sein. Das Kind sollte einen Ort haben, an dem es sich nicht beobachtet fühlt und nicht durch äußere Reize wie Fernseher oder Gespräche in der Wohnung abgelenkt wird.
  • Wenn Kinder sich langweilen, obwohl viel Spielzeug vorhanden ist, sind sie möglicherweise mit dem Angebot überfordert. Weniger ist mehr, geben Sie Ihrem Kind nicht zu viel Spielzeug. Bieten Sie ihm stattdessen Spielzeuge, die es wirklich interessant findet und zu fantasievollen Spielen anregen.
  • Ideal sind Spielrequisiten, die das Kind selber interpretieren und auf unterschiedliche Art und Weise nutzen kann wie beispielsweise Legobausteine.
  • Spielzeug, das zu Rollenspielen animiert ist ebenfalls empfehlenswert, wie dieser Artikel berichtet. Beispiele sind Puppen oder Spielfiguren. Wählen Sie neutrale Spielfiguren, die das Kind noch nicht mit einer Geschichte, einem Film oder einer TV-Serie verbindet. Denn nur so wird es animiert, eigene Rollenspiele zu erfinden, anstatt eine Geschichte einfach nur nachzuspielen.
  • Wenn Ihr Kind konzentriert ist und alleine spielt, sollten Sie es auf keinen Fall unterbrechen.
  • Fordern Sie Ihr Kind auf, Probleme, die sich im Spiel ergeben, selber zu lösen und geben Sie nur dann eine Hilfestellung, wenn es wirklich nicht weiter kommt. Aber auch dann sollten Sie nur Anregungen geben, es ist wichtig, dass das Kind die Erfahrung macht, auf Lösungen selber zu kommen.
  • Kleinere Kinder brauchen immer noch die Nähe ihrer Eltern, um in Ruhe alleine spielen zu können. Manchmal reicht es aber, wenn Sie die Tür zum Kinderzimmer offen stehen lassen und das Kind Sie jederzeit sehen bzw. hören kann.

 

 

 

 

Bild 1: pixabay.com © Counselling (CC0 1.0)

Bild 2: pixabay.com © amyelizabethquinn (CC0 1.0)

Bild 3: pixabay.com © sipa (CC0 1.0)