Spielprozesse bzw. Spielmaterialien können unterschiedliche Lernbereiche bei den Kindern fördern.

Kinder die viel und intensiv spielen, nehmen dabei ihre Einmaligkeit, ihre Handlungsmöglichkeiten und –grenzen sowie ihre Gefühls- und Gedankenwelt wahr. Außerdem können intensiv spielende Kinder, in den fünf Lernbereichen: emotionaler, sozialer, motorischer, kognitiver und kreativer Bereich ihre Kompetenzen auf- und ausbauen.

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Der emotionale Bereich
Kinder lernen in diesem Bereich das Erkennen, Erleben und Verarbeiten von Gefühlen. Sie können zu einer geringeren Aggressionsbereitschaft bestärkt werden und können eine stärker ausgeprägte Belastbarkeit erlernen. Größere Ausdauer, erleben einer größeren Zufriedenheit, ein gleichwertigeres Verhältnis der Grundgefühle: Angst, Freude, Trauer, Wut sind ebenso Kompetenzen, die in diesem Bereich auf- und ausgebaut werden. Der emotionale Bereich wird besonders in Spielen wie Rollenspiele, Höhle bauen und der Bücherbetrachtung geschult.

Der soziale Bereich
Hierbei lernen die Kinder besseres Zuhören bei Gesprächen, weniger Vorurteile gegenüber anderen Menschen zu haben, bessere Kooperationsbereitschaft, höheres Verantwortungsgefühl, höhere Regelakzeptanz, bessere Wahrnehmung von Ungerechtigkeiten sowie intensivere Pflege der Freundschaften. Dieser Bereich lässt sich am Besten in Rollenspielen wie Vater, Mutter, Kind  oder Feuerwehrmann, in der Spielküche, bei Puppenspielen, im Puppentheaterspiel sowie bei Kuscheltierspielen u.ä. verwirklichen.

Der motorische Bereich
Kinder die in diesem Bereich ihre Kompetenz bereits gut ausgebaut haben, besitzen eine schnelle Reaktionsfähigkeit, eine fließende Gesamtmotorik, eine gute Auge-Hand-Koordination, eine spezifische Grob- und Feinmotorik und ein besseres Gleichgewichtsgefühl. Dieser Bereich wird besonders in Spielen wie z.B. Turnen, Laufen, Hüpfen, Fahrzeuge fahren, aber auch in feinmotorischen Spielen wie Konstruktionsspielen (z.B. Duplo), Baukästen, Basteln und Malen sowie Fädelspielen angesprochen.

Der kognitive Bereich
In diesem Bereich zeigen Kinder ein logisches Denken, eine hohe Konzentrationsfertigkeit, hohe Gedächtnisleistungen, eine hohe Wahrnehmung, einen umfangreichen Wortschatz, eine differenzierte Sprache, ein gutes Mengen-, Zahl-, Farb- und Formverständnis und eine größere Fantasie. Kognitive Kompetenzen lassen sich selbstverständlich in vielen Spielen erwerben, insbesondere jedoch im Rollenspiel, Theater, Schattenspiel, bei Sing- und Malspielen aber auch bei Gesellschaftsspielen, Puzzle und Baukästen. Selbstverständlich dienen hierbei auch Bücher, die gemeinsames Erzählen beinhalten. 

Der kreative Bereich
Kreativität ist eine besondere Fähigkeit, mit der Kinder Lösungen für soziale Probleme eigenständig entwickeln und diese dann aktiv umsetzen, um sich selbst zu verwirklichen. Prinzipiell kann dieser Lernbereich in allen Spielen erlernt werden, da die Kinder im Spiel Ideen entwickeln, Originelles durchspielen und Lösungsmöglichkeiten im Schonraum durchprobieren können. Doch auch hier gibt es Spiele, die diese Fähigkeit besonders schulen, wie z.B. Brettspiele (Spiele werden verändert, Neue werden erfunden), Baumaterial, Rollenspiel, Puppentheater, Handpuppen (-tiere) etc. Aber auch die "typischen" kreativen Beschäftigungen wie z.B. Malen, Basteln und Gestalten können die kreativen Fertigkeiten fördern.


In den genannten Lernbereichen können Kinder jedoch nur Kompetenzen entwickeln, wenn sie die ganze Erfahrungsfacette des Spiels ermöglicht bekommen d.h. Zeit, Raum und Spielpartner für: 

  • Entdeckungs- und Wahrnehmungsspiele

  • Gestaltungs- und Geschicklichkeitsspiele

  • Konstruktions- und Bauspiele

  • Steck- und Strategiespiele

  • Bewegungs- und Musikspiele

  • Finger- und Handpuppenspiele

  • Schatten- und Marionettenspiele

  • Darstellendes Spiel

  • Interaktionsspiele

  • Aggressionsspiele zum Austoben

  • Ruhe-/Meditationsspiele

  • Rollen- und Emotionsspiele

  • Imitations- und spannende Planspiele

  • Märchen- und Mobilitätsspiele

Die Aufgabe der Eltern liegt deshalb darin, nicht nur dem "freien Spiel" die Hauptbedeutung zuzuweisen. Vielmehr geht es darum, Kinder zu unterstützen diese vielen Spielformen aktiv, motiviert und engagiert zu entdecken, um dadurch die Kompetenz der Spielfähigkeit zu erwerben. Kinder nur "spielen zu lassen" ist daher genauso ungünstig, wie die ständig angeleitete Spielform. Denn Kinder müssen spielen genauso, wie alles andere, erst lernen.