Erstversorgung von Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern

Was tun bei Verbrennungen oder Verbrühungen beim Kind?

Kind verbrennt sich an Herdplatte
Verbrennung oder Verbrühung beim Kind müssen sofort behandelt werden. Bei einem Baby oder Kleinkind sollte zudem ein Arzt aufgesucht werden/ Foto: Dmitri Ma Shutterstock.com

Verbrennungen beim Kind oder auch Verbrühungen zählen zu den häufigsten Verletzungen im Kindesalter. Besonders Kinder im Alter zwischen zwei bis vier Jahren sind aufgrund von ihrer Neugier vorrangig gefährdet. Im Haushalt befinden sich viele alltägliche Unfallquellen. Kinder ziehen unwissend viele Gegenstände wie Herde oder Töpfe zu sicher heran, ziehen am herunterhängenden Kabel eines Wasserkochers oder einer Fritteuse oder fassen an den heißen Backofen. Noch bevor ein Baby anfängt zu krabbeln, sollten Gefahrenstellen beseitigt oder abgesperrt werden. Auch ein heißes Bügeleisen, ein Grill oder ein offener Kamin können zur Gefahr werden. Schnell ist es passiert und das Kind hat sich verletzt.

Der Unterschied zwischen Verbrennung und Verbrühung

Oft wird von Verbrennungen und Verbrühungen gesprochen; doch was ist eigentlich der Unterschied?

Als Verbrennung bezeichnet man eine Schädigung des Gewebes durch thermische Einwirkung. Dies kann beispielsweise durch Flammen, Strahlen (zum Beispiel UV-Strahlen) oder heiße Gegenstände wie beispielsweise eine Herdplatte der Fall sein.

Entstand die Verletzung hingegen durch eine heiße Flüssigkeit oder Dampf, wird von einer Verbrühung gesprochen. Diese machen den Großteil aller Verbrennungen im Kindesalter aus.

Die wichtigsten Sofortmaßnahmen bei einer Verbrennung beim Kind

Wichtig ist bei einer Verbrennung, besonders im Falle einer offenen Feuerquelle, ist es, Ruhe zu bewahren. Ansonsten gelten diese drei wichtigsten Grundschritte:

  • Löschen (Entweder mit Decken, durch Wälzen am Boden oder Wasser; Feuerlöscher sollten darüber hinaus nie an den Kopf gehalten werden.)
  • Kühlen
  • Den Notdienst verständigen!

Auch darf man nicht vergessen, auf seine eigene Sicherheit zu achten. Dies bedeutet unter anderem, auch die Quelle der Verbrennung (ein offenes Feuer o.ä.) umgehend zu beseitigen.

Schweregrade der Verletzung bei Verbrennungen

Wie die beste Erstversorgung aussieht, hängt von einigen Faktoren ab. Dafür ist auch entscheidend, um welchen Grad der Verbrennung es sich bei der Verletzung des Kindes handelt. Das Ausmaß der Verletzung ist hierbei unter anderem abhängig von der Art des heißen Stoffes, Dauer der Einwirkung und der Temperatur.

Bereits ab 52°C wird die Hautoberfläche beschädigt. Siedendes Wasser, wie beispielsweise aus einem Wasserkocher, beträgt bereits 100°C, heißes Öl in einer Fritteuse sogar 200°C und eine offene Flamme bis ca. 1200°C.

Grundsätzlich wird in die drei wichtigsten Verbrennungsgrade unterteilt. Der vierte Verbrennungsgrad tritt in alltäglichen Situation zum Glück eher seltener auf. Auch die Heildauer ist des weiteren vom Verbrennungsgrad abhängig. Hier sind die einzelnen Grade aufgelistet, sowie eine Erklärung, woran man auch als Leihe die unterschiedlichen Verbrennungsgrade unterscheiden kann:

  • Verletzungen 1. Grades: hier tritt eine oberflächliche Rötung auf, gemeinsam mit einer Schwellung und teilweise starkem Schmerz. Auch Sonnenbrand zählt zu einer Verbrennung ersten Grades. → Diese Art der Verbrennung bzw. Verbrühung verheilt bei Kindern in der Regel innerhalb von fünf bis zehn Tagen. Es findet keine Narbenbildung statt.
  • Verletzungen 2. Grades a: Hier kommt es neben einer Rötung bereits zur Blasenbildung, die Wunde ist feucht und tritt in Verbindung mit starken Schmerzen auf. → Hier braucht die Wunde etwa vier Wochen um zu verheilen, auch hier tritt jedoch noch keine Narbenbildung auf.
  • Verletzungen 2. Grades b: Auch bei dieser Wunde kommt es zu Blasenbildung, die Haut ist jedoch eher trocken und nimmt teilweise eine weißlich/graue Färbung an. Die Schmerzen sind eher mäßig. → Die Haut braucht nun noch länger um vollständig zu heilen, außerdem kann es zur Narbenbildung kommen.
  • Verletzungen 3. Grades: Die Haut ist gräulich bis weiß und ledrig/trocken; da hier die Hautschichten völlig zerstört sind, treten keine Schmerzen mehr auf. Oft sind bereits operative Eingriffe nötig. Diese Heilung kann mehrere Jahre dauern und hinterlässt Narben.
  • Verletzungen 4. Grades: Diese Art der Verletzung tritt nur bei Verbrennungen, nicht bei Verbrühungen auf. Hier ist die Haut bereits bis auf die Muskulatur und Knochen verkohlt. Diese Verletzung ist irreversibel und Extremitäten müssen vermutlich amputiert werden.

Erstversorgung beim Baby, Kleinkind oder Kind nach Verbrennung oder Verbrühung

Leichte und oberflächliche Verbrennung und Verbrühungen lassen sich mit gezielten Maßnahmen auch von zu Hause behandeln. Die wichtigste Regel gilt grundlegend: Kühlen!

Einzige Ausnahme hiervon: Keine Kühlung bei Neugeborenen und Säuglingen sowie einer bei einer verletzten Körperoberfläche von mehr als 15% → hier kann es zu einer lebensbedrohlichen Unterkühlung kommen!

Darüber hinaus gibt es einige wichtige Tipps zur Erstversorgung von Verbrennungen und Verbrühungen:

→ Bei Verletzungen ohne Brandblasen und Verbrennung/Verbrühung ersten Grades:

  • Sofortiges Kühlen ist angesagt. Halten sie davor die verletzte Körperstelle ihres Kindes für etwa fünf bis zehn Minuten unter lauwarmes Leitungswasser (etwa 20°C). Das verletzte Gewebe muss unter 52°C gekühlt werden, da es sonst weiterhin zur Hautschädigung kommt. Wichtig: Nicht mit eiskaltem Wasser oder Eiswürfeln kühlen. Die extreme Kälte kann das Gewebe sonst weiter schädigen.Bei
  • Falls vorhanden kann kühlendes Brand- oder Wundgel aus der Apotheke aufgetragen werden.
  • Bei einer Verbrühung des Kindes sollte die Kleidung von der Wunde entfernt werden. Falls diese mit der Wunde verklebt ist, sollte die Kleidung nicht gewaltsam entfernt werden, sondern sanft in einem Wasserbad abgelöst werden.
  • Die freigelegte Brandwunde sollte anschließend mit sterilem Verbandsmaterial bedeckt werden.

→ Bei großflächigeren Verbrennung oder Verbrennungen ab zweitem Grad:

  • Umgehend den Rettungsdienst rufen.
  • Bei Bedarf sollte ein eventueller Kleidungsbrand mit Wasser bzw. einer Decke erstickt werden.
  • Bei einer großflächigen Verbrennung sollte nicht mehr gekühlt werden. Die schützende Isolierung der Haut ist kaputt und es kann daher zu einer lebensbedrohlichen Unterkühlung kommen.
  • Ist die Wunde mit der Kleidung verkrustet, sollte die Kleidung in diesem Fall nicht abgelöst werden.
  • Es sollte versucht werden, das Kind zu beruhigen, es warm zu halten und nicht alleine zu lassen.
  • Ist das Kind bewusstlos, sollte es in die stabile Seitenlage gebracht werden.

Unabhängig von der Schwere der Verletzung sollten keine Öle, Puder oder Hausmittel wie Mehl auf die Verletzungen aufgetragen werden.

Bei Kleinkindern und Säuglingen sollte darüber hinaus selbst bei einer leichten Verbrennung ein Arzt konsultiert werden.

Hilfen zur Berechnung der Verbrennungsfläche bei Kindern

Um das Kind nach einem Verbrennungsunfall richtig zu behandeln, ist es wichtig, einen Überblick über die Größe der verletzten Hautoberfläche zu haben. Durch diese Berechnung kann eingeschätzt werden, wie bedrohlich die Situation für Betroffene ist. Umso mehr Fläche betroffen ist, desto schlechter stehen die Überlebenschancen des Kindes. Die verletzte Fläche wird meistens in Prozent angegeben.

Verbrennung beim Kind – Die Handflächen-Regel:

Bei Babys und Kindern wird eine Rechenhilfe angewandt: die sogenannte Handflächen-Regel. Damit kann effektiv die Größe der verletzten Hautoberfläche überschlagen werden.

Hierfür wird die kindliche Handfläche zur Hilfe genommen. Die Handfläche des Kindes, inklusive der Finger, entspricht etwa einem Prozent der gesamten Körperoberfläche des Kindes. Bei Kindern gelten bereits Verbrennung ab 8 Prozent der Körperoberfläche als lebensgefährlich.

Vorsichtsmaßnahmen

Auch wenn sich nicht alle Unfallsituationen vermeiden lassen, gibt es doch einige Vorsichtsmaßnahmen, die Eltern ergreifen können, um ihr Kind vor einer Verbrennung oder Verbrühung zu beschützen.

Dazu zählt unter anderem:

  • Tassen und Kannen mit heißen Getränken sollten nie am Tischrand abgestellt werden. Ebenfalls sollte hier auf herunterhängende Tischdecken verzichtet werden.
  • Bei Geräten wie Wasserkochern oder Fritteusen sollte darauf geachtet werden, dass keine Kabel in greifbarer Nähe der Kinder herunterhängen.
  • Man sollte nichts heißes Trinken, wenn eines der Kinder auf dem Schoß sitzt.
  • Um das Kind zu schützen, sollte wenn möglich auf der hinteren Herdplatte gekocht werden.
  • Pfannen und Töpfe sollten so gedreht werden, dass die Griffe jeweils nach hinten zeigen und so außerhalb der Reichweite von Kindern sind.
  • Zusätzlich kann auch ein Herd-Schutzgitter angebracht werden.
  • Fläschchen und Brei, welche zuvor in der Mikrowelle erwärmt wurden, sollten vor dem Füttern immer kontrolliert werden, damit sie nicht zu heiß sind.
  • Auch zu Anfang sollte nie heißes Wasser in die Badewanne eingelaufen lassen werden.
  • Das Anbringen von Rauchmeldern kann zusätzlich schützen, eine Feuerquelle oder Rauch frühzeitig zu entdecken.
  • Besonders an Silvester gilt Vorsicht mit Böllern, Feuerwerk und selbst Wunderkerzen.
  • Es empfiehlt sich, einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen und diesen regelmäßig aufzufrischen.
  • Streichhölzer und Feuerzeuge sollten so weggesperrt sein, dass sie für Kinder nicht zu erreichen sind.
  • Kinder sollten nie alleine mit offenem Feuer gelassen werden. Dazu zählen auch der Kamin, Tischkerzen oder Weihnachtsbeleuchtung.

Für den Notfall sollten darüber hinaus immer Löschmittel zur Verfügung stehen.