Mittwoch, 5 Mai, 2021

IVF und ICSI: Ungewollt kinderlos!

Seit 2016 ist die Geburtenrate in Deutschland rückläufig. Nicht immer entspringt Kinderlosigkeit der Freiwilligkeit: 15 % der Paare bleibt der ersehnte Nachwuchs verwehrt.

Ungewollte Kinderlosigkeit hat vielfältige Ursachen. 42 % der Frauen zwischen 18 und 29 geben an, sich vor der Familienplanung Karriere und Beruf widmen zu wollen. Tatsächlich ist eine Frau bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich 31,5 Jahre alt; rund fünfeinhalb Jahre älter als vor fünfzig Jahren. Dabei sinken mit zunehmendem Alter die Chancen auf eine natürliche Schwangerschaft. Für viele Paare ist eine künstliche Befruchtung die letzte Hoffnung auf ein Baby.

39 % der Frauen geben beruflichen Stress als Ursache dafür an, dass es mit der Schwangerschaft nicht klappt. 19 % erklären, noch nicht den richtigen Partner für den Kinderwunsch gefunden zu haben. Dies verwundert nicht: Die Zahl der Singlehaushalte ist seit 1991 von 34 % auf 42 % in 2019 angestiegen.

Ein Lebensalltag mit wenig Bewegung, Hormonen in Fleisch und Trinkwasser und dem schnellen Griff zum Antibiotikum tragen zusätzlich zur Entstehung von Fertilitätsstörungen bei. Statt die demografischen, sozialpolitischen und umweltmedizinischen Ursachen zu bekämpfen, sollen die Segen einer modernen Reproduktionsmedizin als Lösung etabliert werden. Vor allem in Akademikerkreisen sind Retortenbabys längst salonfähig.

Leugnung der Gefahren durch den Mainstream

IVF und ICSI bergen zahlreiche Risiken. Doppelt so oft wie nach natürlicher Empfängnis kommt es zu Frühgeburten. Die Fehlgeburtsrate ist deutlich erhöht: bis zu 30 % im Vergleich zu natürlichen Schwangerschaften (10 bis 15 %). Diese Diskrepanz lässt sich nicht alleine durch das höhere Durchschnittsalter der Patientinnen erklären. Auch Eileiterschwangerschaften treten gehäuft auf. Die notwendige Ausschabung ist für die betroffenen Frauen psychisch sehr belastend.

Durch die Hormongabe zur Eizellenreifung kann es zum ovariellen Hyperstimulationssyndrom kommen. Dabei bilden sich über zwanzig Follikel, der Bauch schwillt an und schmerzt. Es kann zu Erbrechen und Ödemen in der Bauchhöhle kommen.

Die Eizellentnahme erfolgt, indem die Nadel die Scheidenwand durchsticht, um an die Follikel zu gelangen. Durch dieses Prozedere entstehen vaginale Blutungen.

Da Mehrlingsschwangerschaften häufiger sind, treten mehr Geburtskomplikationen auf, die zu Hirnschädigungen führen können. Neuralrohrdefekte und Bauchfehlbildungen sind dreimal häufiger als bei natürlichen Schwangerschaften. Diese Korrelation wurde von sechs Studien festgestellt, die in einem Dokument des Gemeinsamen Bundesausschuss von 2008 erwähnt werden.

Ein weiteres Risiko sind sogenannte imprinting disorders. Dabei handelt es sich um Syndrome durch Gendefekte, beruhend auf einer epigenetischen Veränderung. Eine Vermutung ist, dass die Nährlösung dafür verantwortlich ist, in der die befruchteten Keimzellen sich entwickeln.

• Mit dem Beckwith-Wiedemann-Syndrom geht mutationsbedingter Großwuchs einher. Kinder haben ein höheres Geburtsgewicht, hervortretende Augen, eine vergrößerte Zunge, Milz, Leber und Niere.

Das Prader-Willi-Syndrom und das Angelman-Syndrom beruhen beide auf einer Trisomie des 15. Chromosoms. Ersteres entsteht durch Vererbung väterlicherseits. Typisch sind ein schlaffer Muskeltonus, verzögerte Motorik und Entwicklungsstörungen. Das Angelman-Syndrom entsteht durch Vererbung mütterlicherseits. Kinder sind überaktiv, sprechen kaum und leiden häufig an Epilepsie.

Fazit: Künstliche Befruchtung als Chance einer späten Schwangerschaft?

Trotz der Tendenz des Menschen in medizinischen Dingen Gott spielen zu wollen, sollte man Risiken und Nutzen der künstlichen Befruchtung sorgfältig abwägen. Ganzheitliche Behandlungsmethoden und die Behebung lebensstil-assoziierter Ursachen für Kinderlosigkeit sind effiziente, risikofreie Ansätze auf dem Weg zur ersehnten Schwangerschaft.

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