Dienstag, 25 Juni, 2024

Erst Karriere, dann Kinder: Vorsorge für den Kinderwunsch von morgen!

Immer mehr Frauen entscheiden sich dafür, erst später im Leben Kinder zu bekommen. Das Einfrieren der Eizellen durch die sogenannte Kryokonservierung kann es einer Frau möglich machen, eine Schwangerschaft auf eine spätere Lebensphase zu verschieben. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Social Freezing. Wer das Einfrieren der eigenen Eizellen in Erwägung zieht, sollte sich über die Vor- und Nachteile im Klaren sein, um realistische Erwartungen an eine mögliche späte Schwangerschaft zu haben. Wir geben im Folgenden die wichtigsten Informationen zum Verfahren, zu Kosten und Erfolgsraten. 

Elternschaft und Lebensplanung

Frauen werden im Durchschnitt in Deutschland immer später Mütter. Im Jahr 1980 bekam die durchschnittliche Frau in Westdeutschland ihr erstes Kind im Alter von 25,2 Jahren. Im Jahr 2010 betrug das Durchschnittsalter von Erstgebärenden in Deutschland 29 Jahre. Zehn Jahre später liegt es bei 30,2 Jahren und 2,9% der Erstgebärenden sind bei der Entbindung 40 Jahre und älter.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Umfragen zufolge möchte etwa ein Drittel der Frauen zunächst ihre persönlichen Wünsche und Ziele verwirklichen. Dazu gehören oftmals berufliche Ziele. Wer bis Mitte/Ende 20 studiert, will danach erst einmal die wichtigsten Karriereschritte einleiten, bevor er ans Kinderkriegen denkt und Gefahr läuft, durch die Mutterschaft erst einmal wieder außen vor zu sein. Aber auch die finanzielle Situation und die hohen Kosten einer Elternschaft sorgen dafür, dass viele Frauen die Familienplanung auf später verschieben. Viele Menschen machen sich zudem Sorgen wegen einer unsicheren Zukunft aufgrund gesellschaftlicher Probleme, Klimawandel und anderen Krisen. Natürlich kann auch ein fehlender Partner eine Rolle spielen. Im Grunde genommen zeigt sich im Aufschieben des Kinderwunsches häufig ein großes Verantwortungsgefühl. Die Voraussetzungen sollen stimmen.

Abnehmende Fruchtbarkeit

   Ab etwa Mitte Vierzig können bei Frauen die Wechseljahre zum Thema werden und schon Jahre vorher nimmt die Fruchtbarkeit der Frau rapide ab. Die Zeugung eines Kindes ist ab Mitte 30 nicht mehr so einfach wie bei einer jüngeren Frau. Zudem lässt mit dem Alter die Qualität der Eizellen tendenziell nach. Die Eizellen können vermehrt Chromosomenanomalien aufweisen.

Auch das Alter des Mannes spielt für die Fruchtbarkeit eine Rolle. Partnerinnen von Männern, die älter als 40 Jahre sind, brauchen länger, um schwanger zu werden. Sind eine Frau und ihr Partner jünger als 25 Jahre, dauert es durchschnittlich fünf Monate, bis eine Schwangerschaft eintritt. Ist der Partner der Frau älter als 40 Jahre, dauert es etwa zwei Jahre und noch länger, wenn er älter als 45 ist. Auch das Risiko einer Fehlgeburt ist bei Frauen, deren Partner älter als 45 Jahre ist, höher. Bei Paaren, die sich einer künstlichen Befruchtung im Rahmen einer In-Vitro-Fertilisation (IVF) unterziehen, ist die Chance, ein Kind zu bekommen, höher, wenn der Mann jünger als 41 Jahre ist.

Kryokonservierung als Chance

Moderne Reproduktionsmedizin wie IVF- und ICSI-Behandlungen erhöhen die Chance auf eine Empfängnis auch bei Frauen über 30 Jahren und wer schon in jungen Jahren damit rechnet, erst später Kinder bekommen zu wollen, kann mit dem Einfrieren von Eizellen, Spermien oder Embryonen ein Backup für die Familienplanung bilden.

Vor dem Social Freezing steht eine umfassende Beratung durch den Arzt sowie eine Reihe von Untersuchungen mit dem Schwerpunkt auf der Erhebung der Fruchtbarkeit und einer Ermittlung des Hormonspiegels. Vor der Entnahme von Eizellen zum Einfrieren steht zudem eine Hormonbehandlung, die die Produktion der Eizellen anregen soll, damit möglichst viele Eizellen zum Einfrieren entnommen werden können. Während dieser Zeit führt der Arzt regelmäßig Blutuntersuchungen und wenigstens eine Ultraschalluntersuchung durch, um die Wirkung der Behandlung zu überwachen. Schließlich werden über einer Nadel Eizellen aus den Eierstöcken entnommen. In der Regel kann der Eingriff per Ultraschall gesteuert werden. Die entnommenen Eizellen werden so schnell wie möglich eingefroren. Dabei kommt eine spezielle Lösung zum Einsatz, die eine Kristallbildung verhindert. Theoretisch können die Eizellen nun jahrzehntelang eingefroren bleiben. Erfüllt sich der Kinderwunsch zu einem späteren Zeitpunkt nicht auf natürlichem Weg, können die Eizellen mit dem Samen des Partners oder auch mit dem Samen eines Samenspenders per IVF befruchtet und die entstehenden Embryonen in die Gebärmutter übertragen werden.

Möglichkeiten und Grenzen der modernen Reproduktionsmedizin

Die höchste Erfolgsquote weist die IVF bei Fruchtbarkeitsproblemen auf, die auch eingesetzt wird, um eingefrorene Eizellen zu einem späteren Zeitpunkt zu befruchten. Eine Garantie bietet diese Methoden jedoch nicht. In konkreten Zahlen bedeutet das: Rund zwei Dritteln der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch können Ärzte durch IVF helfen. Eingefrorene Eizellen kommen bei einer künstlichen Befruchtung zu den gleichen Schwangerschaftsraten wie Eizellen, die sofort nach der Entnahme befruchtet und anschließend transferiert wurden.

Bei der IVF wird auch ein genetischer Präimplantationstest durchgeführt, so dass genetische Anomalien ausgeschlossen werden können, die ein hohes Risiko für eine Fehlgeburt bergen. 

Die Kosten

Wer Eizellen einfrieren lassen möchte, sollte auch die entstehenden Kosten einplanen. Bislang übernehmen die Krankenkassen keine Kosten für das Social Freezing. Der Preis für die Hormonbehandlung, für das Einfrieren und für die Lagerung muss selbst gezahlt werden. Dabei betragen die Kosten für die Behandlung gut 2.000 Euro. Die Lagerung kostet etwa 150 Euro im halben Jahr. In einigen Fällen unterstützen Arbeitgeber bei den Kosten für das Social Freezing. Es lohnt sich, diesbezüglich Informationen einzuholen. Auch bei einer späteren In-Vitro-Fertilisation fallen Kosten an, die vorausschauend einkalkuliert werden sollten.

Fertilität natürlich erhalten

Wer das Kinderkriegen aufschieben möchte, ist gut beraten, sich nicht nur auf das Social Freezing zu verlassen, sondern einen Lebensstil zu pflegen, der die Fruchtbarkeit möglichst lange aufrechterhält. Eine ausgewogene gesunde Ernährung steht dabei im Fokus. Rauchen verschlechtert die Spermienqualität. Weitere Faktoren, die die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen, sind Über- oder Untergewicht. Zudem können Nahrungsergänzungsmittel dem Körper helfen, sich auf eine Schwangerschaft vorzubereiten.

Social Freezing als „Fruchtbarkeitsversicherung“

Die meisten Frauen nutzen das Social Freezing übrigens eher als eine Art „Fruchtbarkeitsversicherung“. Daten des Zentrums für Reproduktionsmedizin in Brüssel zufolge nutzten nur acht Prozent der Frauen, die Eier einfrieren ließen, diese später tatsächlich. Die meisten werden doch auf natürlichem Wege schwanger. Das Einfrieren der Eizellen scheint demnach vor allem der Beruhigung zu dienen und hat damit nicht zuletzt psychologische Vorteile. Bleibt abzuwarten, wie sich dies in Zukunft entwickelt. Fakt ist: Die Gesellschaft steht später Elternschaft heutzutage deutlich toleranter gegenüber.

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